KREUZLINIEN
Jan van Munster · Willem Besselink

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Eröffnung Mittwoch, 14. September 2022, 18 – 21 Uhr
Zu sehen bis 29. Oktober 2022

Öffnungszeiten
Freitag 15 bis 19 Uhr, Samstag 14 bis 18 Uhr, sowie täglich auf Verabredung



Die Verbindungen zwischen Jan van Munster, Willem Besselink und drj art projects sind vielfältig. So zählt Jan van Munster mit seinem über viele Jahrzehnte gewachsenen Œuvre zu den international renommiertesten Programmkünstlern von drj. In seinen bisherigen Duo-Ausstellungen und den zahlreichen Beteiligungen an wichtigen Themenpräsentationen hat seine Position das Profil der Programmgalerie entscheidend mit geschärft. Zudem ist er seit langer Zeit auch Förderer des künstlerischen Nachwuchses: Über viele Jahre hat seine IK Stiftung in der den Niederlanden Aufenthaltsstipendien an junge Künstlerinnen und Künstler vergeben, um ihnen eine Zeit unabhängigen inhaltlichen Arbeitens zu ermöglichen. Hier war auch Willem Besselink Stipendiat, der darüber hinaus über sein Studium in Berlin stets Verbindungen in die Stadt gepflegt hat. So war auch er bereits in thematischen drj-Projekten vertreten. Zudem gehört er auch zu den Gründungsmitgliedern der Künstler:innen-Vereinigung Frontviews, mit der wiederum drj art projects vor kurzem eine umfangreiche Kooperation zur Textilen Kunst erfolgreich durchgeführt hat.

In KREUZLINIEN verbinden die beiden niederländischen Künstler nun ihre Arbeiten miteinander und gemeinsam mit drj. Der Fokus liegt dem Titel entsprechend auf der linearen Form: Insbesondere van Munsters Werkgruppe der Brainwaves stellt sich darin dem Dialog mit Besselinks Reliefs und Objekten. Während erstere nach wie vor ihren Ursprung in der Gedankenenergie haben, die über Gehirnwellenmessungen grafisch festgehalten und in Licht-Arbeiten übertragen wird, sind für zweitere insbesondere von Mauerwerksverbände und deren Fugen inspirierten Überlagerungen prägend. Damit beziehen sie sich zusätzlich auf Architektur und Urbanismus, was beides aus dem Hintergrund der Programmgalerie wiederum nicht wegzudenken ist.

Nach einem Sommer ungeahnter Härten, einer aufgrund von Force Majeure zwangsweise verschobenen Ausstellung und auch nach wie vor angesichts einer gesellschaftlich unsicheren Zukunft, freuen wir uns in besonderem Maße auf diese Ausstellung. Deren Eröffnung am 14. September markiert so das Rentrée, den Wiedereinstieg von drj art projects in seinen Ausstellungsbetrieb und den Auftakt einer hoffentlich anregenden und die Wertschätzung konzeptueller und minimaler Kunst öffnenden Herbstsaison – trotz allem.


Mehr zu den Künstlern hier:
janvanmunster.nl  ·  willembesselink.nl


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Opening Wednesday, September 14, 2022, 6 – 9 p.m.
On view through October 29, 2022

Opening hours
Friday 3 to 7 pm, Saturday 2 to 6 pm, and daily by appointment

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78 105 / Isang Yun 1917–1995 / 2022
Ausstellung von Oliver Siebeck im Yun-Haus Berlin

Ausstellung bis 27. November 2022

Geöffnet Sonntag, 16.10, 6.11. sowie 27.11.2022 [u.A.w.g.]
Zudem auf Vereinbarung per e-Mail an:
Internationale Isang Yun Gesellschaft info@yun-gesellschaft.de

Yun-Haus Berlin · Sakrower Kirchweg 47 · 14089 Berlin-Kladow

Eröffnung Sonntag, 25. September 2022, 17:30 Uhr
Zuvor um 16 Uhr Konzert
Daniel Seroussi [Klavier] spielt Werke von Isang Yun,
Henri Dutilleux, Eres Holz und Franz Schubert

Eine Kooperation von drj art projects und INTERNATIONALE ISANG YUN GESELLSCHAFT

Installation von Oliver Siebeck · Kuratiert von Christiane Bail · Produziert von Matthias Seidel



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Oliver Siebeck : Isang Yun – sesshafte und nichtsesshafte Buchstaben vielleicht

Wenn Oliver Siebeck mit einer Arbeit beginnt, steht am Anfang eine Faszination. Für ein Ding – eine Skulptur beispielsweise – für eine Situation – das Geräusch eines Insekts beim Fliegen etwa – oder, sehr oft, für eine Person – wie Isang Yun. Dann legt sich Siebeck das Handwerkszeug zurecht, mit dem er diese Arbeit erzeugen wird. Papier von der und der Struktur in dem und dem Format. Farben, wenige, hier Schwarz und Gold. Und, zentral, das Instrument. Sein Kunsterzeugungsinstrument. Die alte schwere mechanische Schreibmaschine.

Das Material, aus dem die Arbeit systematisch hergestellt wird, wird dem Gegenstand selbst entnommen. Bei der vorliegenden Arbeit sind es die im westlichen Alphabet, in der gebräuchlichsten Umschrift für das koreanische Alphabet, auch in der westlichen Reihenfolge, Vorname zuerst, aufgeschriebenen Buchstaben. Die Zeichen, die den Namen des Komponisten bedeuten und verlauten, von dem die Faszination, und damit diese Arbeit, ausging: ISANGYUN. Großbuchstaben. Systematisch eine beibehaltene Stellung der Schlagmechanik seiner Schreibmaschine also. Ganz einfach. Und genauso einfach, mit verdichtetem systematischen Variationsrepertoire, werden die Blätter bezeichnet. Reihung und Rotation, Reihung und Umkehr, Reihung und Krebs. Einfache bis mehrfache Wiederholungen. Überschreibungen von Überschreibungen. Sesshafte und nichtsesshafte Buchstaben vielleicht. Manche liegen auf der Seite, manche stehen auf dem Kopf.

Es ist nicht notwendig, etwas über Isang Yun zu wissen, um von Siebecks Blättern fasziniert zu sein und in ihnen je eigene Bedeutungssterne aufblitzen zu lassen. Sogar akustische, der sichtbar gewordene Schreibmaschinensound auf dem Papier. Tak-Taktak-Tak. Die teilweise regelrechte Lesbarkeit der Blätter. Oder prozessuale, wie das genüsslich allmähliche Aufgehen des goldenen Verstehens- und Sehenshorizonts beim sich Verdichten der Zeichen aus allen Himmelsrichtungen.

Je nachdem, wie vertraut man mit der Arbeit und dem Leben des Isang Yun ist, ist es natürlich nicht verboten und vermutlich in diesem Sinnzusammenhang auch nicht zu vermeiden, wenn man Hinweise auf Isang Yuns Leben oder Werk in Siebecks Arbeit sieht. Der Autor dieser Zeilen weiß zum Beispiel, dass es Stücke von Isang Yun gibt, in deren ersten paar Takten schon das gesamte Klangmaterial, mit dem das Stück arbeiten wird, vorgestellt wird. Genauso ist es hier bei Siebeck. Wenn man das Material und die Systematik verstanden hat, weiß man ungefähr, wie es weitergehen wird. Erleben will man es dann natürlich trotzdem noch; – oder jetzt erst recht.

Die vorliegenden Blätter mit den sesshaften und nichtsesshaften Buchstaben sind nicht die erste Arbeit von Oliver Siebeck mit dem Gegenstand Isang Yun. 2018 entstand seine Isang Yun Biografie. Hierbei waren das Zeichenmaterial für Siebecks Schreibmaschine die Ziffern der Lebensdaten von Isang Yun – 17. 9. 1917 bis 3.11.1995 – die Siebeck, im bekannten Zeichenformat und der bekannten Fortsetzungsregel folgend, Tag für Tag hintereinander auf eine ca. 20 Meter lange Papierrolle geschlagen hat. Einmal, in einem 40 Zeichen breiten schwarzen Streifen vorwärts, und einmal in einem 40 Zeichen breiten roten Streifen rückwärts.

Diese beiden nebeneinander laufenden Lebensdatenbahnen in rot und in schwarz variieren leicht in Anschlag und Farbkraft, und sie bewegen sich aufeinander zu und voneinander weg. In einer sehr dramatischen, spannungsgeladenen Passage dieser Schriftrolle überschreiben sich die beiden Bahnen an ihren Rändern. Berühren sich. Schreiben sich ineinander ein. Eine Sehnsucht. Ein Verlangen, dem man Himmelrichtungen zuschreiben kann, an deren Vereinigung Isang Yun ein Leben lang arbeitete, und einer Trennung, die sein Schicksal war.

Thomas Goldstrasz, Chemnitz 5.9.2022

Kursiv: Satzmaterial von Oliver Siebeck aus der Korrespondenz zu den vorliegenden Blättern. Eine Dokumentation der Isang Yun Biografie (2018) findet sich unter www.siebeckprojekte.de

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drj

drj ist ein kuratierter, international orientierter Kunstraum für zeitgenössische konzeptuelle und minimale Kunst. drj steht als Kürzel für drj art projectsdrj arbeitet inhaltlich in der Tradition einer kuratierten Programmgalerie.

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drj is a curated art space for contemporary conceptual and minimal art on an international level. drj is short for drj art projectsdrj works in the tradition of a curated programme gallery.

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